Ein Kleinod an der Silberstraße

Sachsen ist reich an technischen Denkmalen. Reiseführer beschreiben längst nicht jedes. Kleinere und unbekanntere Denkmale sind ebenso sehenswert.

Das sächsisch-böhmische Grenzgebiet, derMühlengebäude Gebirgskamm des Osterzgebirges, bietet Sommer wie Winter ausgezeichnete Urlaubsmöglichkeiten. Die Region um Altenberg, eine der bekanntesten Wintersportgebiete des sächsischen Mittelgebirges erwartet jährlich tausende Touristen und ist bekannt durch ihre Schneesicherheit. Aber nicht nur Skihasen kommen auf ihre Kosten. Wer das Gebiet mittels Wanderungen oder per Drahtesel erforscht, kann sich an der Landschaft, aber auch an den vielen kleinen Sehenswürdigkeiten, die nicht unbedingt in jedem Reiseführer verzeichnet sind, erfreuen. Und Alles ist von Dresden oder Chemnitz aus schnell mit dem PKW erreichbar.

Die Silberstraße - Zeugnis der technischen Entwicklung Sachsens

Wer in der Gegend zwischen Annaberg-Buchholz, Brand-Erbisdorf, Freiberg und  Frauenstein unterwegs ist, der Ölpressewandelt auf einem Teil der 140 Kilometer langen Ferienstraße, die längste ihrer Art in Sachsen. Einst war sie Post- und Handelsweg sowie Transportweg der Silberwagen. Durch den Tharandter Wald verläuft dazu der ehemalige Fürstenweg. Wegen der  rasanten technischen Entwicklung vor allem durch den Silberbergbau, konnten sich diese Handelswege entwickeln. Zeugnisse dieser Vergangenheit gibt es rechts und links des Weges in Hülle und Fülle. Ein Kleinod, das versteckt im Wald von Reichenau steht, sollte der Wanderfreund unbedingt besuchen.

Die Weicheltmühle von Reichenau

Sachsen verfügt über viele mehr oder weniger große Fließgewässer. Zahlreiche Bäche und Flüsse sprudeln durch die Täler des Gebirges. Kein Wunder, das sich die Mühlenwirtschaft schon im Mittelalter entwickelte. Die Wasserkraft wurde zum Energiespender Nummer Eins. Viele solcher Wassermühlen sind von Vereinen liebevoll restauriert worden und stehen als technische Denkmale den Besuchern offen. Eine davon ist die Weicheltmühle in Reichenau. Zwischen Frauenstein und Hermsdorf gelegen, bietet sie einen Einblick in die Mühlenwirtschaft längst vergangener Zeiten. Zu Fuß oder per Rad gelangt der Tourist durch das wunderschöne Grimmlitztal an diesen idyllischen Ort.

Ein kleines Museum und eine kleine Gaststätte

Nachdem der Bauer Friedrich Gotthelf Weichelt 1784 ein Einhufengut gekauft hatte, errichtete er 1807 im romantischen Grimmlitztal eine Mühle mit einem Mahlgang. Dazu kam die Konzession zum Backen von Brot und Semmeln. Fast 100 Jahre betrieben die Weichelts über Generationen die Mühle als Getreidemühle. Während eines kurzzeitigen Knochenstampfe mit AntriebsradEigentümerwechsels wurde sie allerdings zur Ölmühle umgebaut. Erst 1947 erhielt sie einen Anschluss an das öffentliche Stromnetz. Immerhin war die Mühle bis 1974 noch in Betrieb und diente als Knochenstampfe. Betrieben wurde sie mit einem Wasserrad, das sich heute als einziges im Grimmlitztal noch dreht. Der rund 300 Meter lange Mühlgraben speist sich aus der Grimmlitz, die wenige Kilometer weiter von der Talsperre Lichtenberg aufgefangen wird und nach deren Verlassen bei Weißenborn in die Freiberger Mulde mündet. Mit dem Mühlrad, Durchmesser 4,50 Meter, kann eine Leistung von rund sechs PS erzeugt werden. Nachdem die Mühle zwischenzeitlich der Gemeinde Reichenau gehörte, befindet sie sich heute im Privatbesitz der Familie Bretschneider. Sie kümmert sich, wie sich jeder überzeugen kann, auch um den Erhalt dieses kleinen Museums. Und da wandern hungrig und durstig macht, betreibt sie eine kleine Gaststätte und Pension im Mühlengebäude. Wer nach einer Stärkung immer noch Lust zum Erkunden der Gegend hat, der sollte sich in Neuhermsdorf unbedingt die Sandskulpturenschau, oder im Winter die Eisskulpturen anschauen. Eine Besichtigung des hoch oben gelegenen Botanischen Gartens in Schellerhau ist ebenso ein Erlebnis.


Quelle
Weicheltmühle Reichenau

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